Samstag, 8. August 2026
Bereits am Freitag waren wir von München aus zu Oma nach Berlin gefahren. Heute ging es dann endlich richtig los: Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zum Fernbusbahnhof am BER, wo Reiseleiter Sven uns mit seinem Kleinbus einsammeln sollte. Mit an Bord waren auch wieder unsere lieben niederländischen Freunde vom letzten Jahr – diesmal sogar mit Verstärkung: Eine Freundin namens Janin und ihr Sohn begleiteten sie. Damit waren wir für die heutige Fahrt komplett. Die vierte Familie unserer Reise - Helge mit seinen 4 Kindern - machte sich mit dem eigenen Auto von Hamburg auf den Weg nach Schweden. Sven hatte eigentlich angekündigt, gegen 13:30 Uhr am BER zu sein. Allerdings hatte er selbst mit dem Verkehr zu kämpfen und steckte im Stau fest. So wurde es schließlich 14:30 Uhr, bis wir tatsächlich loskamen. Lange mussten wir trotzdem nicht auf die erste Pause warten. Bereits am Berliner Ring legten wir den ersten Stopp ein – allerdings weniger aus touristischen Gründen als vielmehr, weil Sven als Fahrer seine vorgeschriebenen Pausenzeiten einhalten musste. Die zweite Rast machten wir später an der Raststätte Stolpe in Mecklenburg-Vorpommern. Die kannten wir bereits vom letzten Jahr. Die Fahrt selbst verging erstaunlich schnell. Wir quatschten und dösten zwischendurch auch immer mal wieder weg. Kurz vor Travemünde sorgte dann ein Hörbuch von Marc-Uwe Kling für den Höhepunkt der Unterhaltung: „Wie Max dreimal ins Auto kotzte“. Der Titel hielt, was er versprach – und wir lachten uns alle kaputt. In Kücknitz machten wir noch einen letzten Halt zum Abendessen und versorgten uns mit Pizza, bevor es endgültig auf die Fähre nach Malmö ging. Zur Abfahrt schauten wir noch schnell vom Deck aus zu, wie Deutschland langsam hinter uns zurückblieb. Danach huschten wir in unsere Innenkabine – und zumindest bei uns dauerte es nicht mehr lange, bis alle eingeschlafen waren.
Sonntag, 9. August 2026
Schon um 6:15 Uhr ertönte auf der Fähre die Durchsage zum Aufstehen. Während die meisten von uns vermutlich noch nicht ganz freiwillig ansprechbar waren, huschte Sascha direkt aufs Oberdeck. Er machte - wie schon letztes Jahr - ein paar Fotos von der Durchfahrt unter der Öresundbrücke. Kurz nach 7 Uhr erreichten wir Malmö und verließen direkt die Fähre. Die ersten beiden Stunden der anschließenden Busfahrt verliefen ausgesprochen ruhig – die meisten nutzten die Gelegenheit, noch ein bisschen Schlaf nachzuholen. Gegen 10:30 Uhr legten wir an der Björkäng Vägkrog unsere erste Pause ein und frühstückten. Etwa 3 Stunden später folgte bei Rasta Brålanda der nächste Stopp mit einem Mittagessen bei Burger King, bevor es auf die letzte Etappe ging. Und dann wurde es langsam spannend: Auf dem letzten Stück führte unsere Straße bereits am Klarälven entlang. Genau diesem Fluss würden wir in den kommenden zwei Wochen folgen – zunächst vier Tage auf unserem selbst gebauten Floß und anschließend noch vier Tage mit Kanus. Jetzt war also endgültig klar: Unser Abenteuer war zum Greifen nah! Ziemlich genau um 17 Uhr erreichten wir schließlich Vildmark i Värmland in Gunnerud, den Ausgangspunkt unserer Floß- und Kanutour. Die Hamburger waren bereits vor uns angekommen und hatten ihr Zelt schon aufgebaut. Allerdings war gerade noch eine französische Familie mit ihrer Einweisung in den Floßbau beschäftigt. Also hieß es für uns erst einmal: Gepäck ausladen und Zelte aufbauen. Beim Abladen entdeckten die Kinder außerdem einen flachen Bollerwagen, der eigentlich zum Transport unseres Gepäcks gedacht war. Die vorgesehene Verwendung war ihnen allerdings ziemlich schnell egal – viel spannender war es natürlich, sich gegenseitig damit durch die Gegend zu ziehen. So wurde aus dem Gepäckwagen kurzerhand ein kleines Kinderfahrgeschäft. Beim Zeltaufbau gab es dann direkt den ersten kleinen Zwischenfall: Bei unserem Zelt brach prompt eine Zeltstange. Zum Glück konnte Sven die Stange mit etwas Tape und einem Metallröhrchen wieder einsatztauglich reparieren. Gegen 19 Uhr waren dann wir an der Reihe und bekamen unsere Einweisung in den Floßbau. Dazu gehörten natürlich auch die verschiedenen Knoten, die wir später dringend brauchen würden. Wir übten eine ganze Weile und anschließend gab es endlich Abendessen: Kartoffeln mit Quark – einfache, aber genau passende Verpflegung nach der langen Anreise. Doch damit war der Abend noch nicht vorbei. Wir mussten außerdem unser Gepäck für die kommenden vier Tage neu sortieren. Denn auf dem Floß konnten wir natürlich nicht sämtliche Sachen mitschleppen. Also kam nur die Hälfte unseres Gepäcks mit auf die Tour, während die andere Hälfte sicher im Bus blieb. Jetzt war wirklich alles vorbereitet: Am nächsten Morgen würden wir unser eigenes Floß bauen - und Jana schlotterten schon ein bisl die Knie davor...
Montag, 10. August 2026
Gegen 6 Uhr hieß es Aufstehen. Leider hatte es schon in der Nacht immer wieder genieselt und entsprechend nass war auch der Zeltboden. Zum Frühstück konnten wir uns immerhin unter einem Dach bei Vildmark i Värmland setzen. Danach wurden die Zelte abgebaut und alle Sachen bereitgelegt, die mit auf das Floß sollten. Dann kam ein großer Bus, der uns etwa 100 Kilometer den Klarälven hinauf bis nach Branäsäng brachte. Unterwegs regnete es immer wieder. Etwa auf halber Strecke, in Björkebo, machten wir einen kurzen Halt und Sven ließ dort seinen Kleinbus stehen, bevor es weiter flussaufwärts ging. In Branäsäng angekommen, hatten wir immerhin Glück: Es war trocken! Nun ging es an den eigentlichen Floßbau. Zunächst mussten die Baumstämme aus sechs Stapeln sortiert werden. Alle waren drei Meter lang, aber unterschiedlich dick. Insgesamt sollten daraus vier Floßsegmente mit jeweils drei mal drei Metern entstehen. Jedes Segment bestand aus drei Lagen: unten die dicken Stämme, darüber quer dazu mitteldicke Stämme und in der dritten Lage eher dünnere Stämme. Sven meinte, dass unsere Kräfte ab Mittag vermutlich nachlassen würden, deshalb sollten wir zunächst die dicksten Stämme für alle vier Segmente aus den Holzstapeln heraussuchen und zum Wasser schaffen. Schon das war eine kleine Herausforderung, denn auf dem Weg dorthin mussten wir eine Barriere mittels einer selbstgebauten Rampe überwinden. Und weil der Klarälven extrem wenig Wasser führte, wartete anschließend noch eine etwa 200 Meter lange Sandbank auf uns. Die Baumstämme mussten wir dort meist zu zweit oder zu dritt mit den Füßen vor uns herrollen, bis wir endlich die Wasserkante erreicht hatten.
Gegen 13:30 Uhr gab es Mittagessen: Buchstabensuppe. Also eher eine überschaubare Mahlzeit – schließlich sollte bloß niemand ins „Suppenkoma“ fallen und danach nicht mehr arbeiten können. Das war zumindest die Begründung. Erst gegen 15 Uhr war das erste Floß aus zwei Segmenten einigermaßen fertig und miteinander verbunden. Der Bau von Segment drei und vier gestaltete sich dann allerdings deutlich chaotischer. Viele Stämme lagen bereits an der Wasserkante, waren aber doch nicht dick genug oder es waren schlicht zu wenige. Rollte man neue Stämme herunter, lagen natürlich die vorherigen im Weg. So entstand langsam ein ziemlich großes Durcheinander. Dazu kam, dass es in dieser Phase weniger Anleitung gab und wir immer wieder etwas ratlos herumstanden. Die Stimmung wurde dadurch zeitweise etwas angespannt.
Sven hatte am Morgen noch gesagt, dass wir spätestens um 17 Uhr ablegen sollten, weil es sich später nicht mehr lohnen würde. Um 17 Uhr war an „fertig“ allerdings noch lange nicht zu denken. Das zweite Floß war zudem deutlich instabiler als das erste. Der Instructor begutachtete es eine ganze Weile kritisch, da die beiden Segmentteile nicht besonders fest miteinander verbunden waren. Schließlich gab er aber doch grünes Licht und wir konnten noch den Aufbau für das Zeltdach montieren. Die Kinder hatten am Vormittag noch fleißig mitgeholfen, am Nachmittag ließ die Motivation dann allerdings deutlich nach. Stattdessen wurde wieder begeistert mit dem Bollerwagen gespielt. Nur Anika und der älteste Sohn der Hamburger hielten tapfer durch: Sie standen im Wasser und halfen dabei, die Baumstämme mit Seilen miteinander zu verbinden.
Als die Flöße schließlich fast fertig waren, kam natürlich auch noch ein Regenschauer. Also hieß es erst einmal, sämtliches Gepäck unter einen kleinen Unterstand zu schleppen. Nachdem die Husche vorüber war, wurde alles auf die Flöße geladen und um 18:30 Uhr ging es dann tatsächlich los – hinaus auf den Klarälven! Dort lernten wir Strömung, Kehrwasser und Sandbänke direkt aus nächster Nähe kennen. Immerhin hatten wir vorher schon entsprechende Videos dazu gesehen. Jedes Floß war außerdem mit einem sogenannten „Pipi-Kanu“ ausgestattet: Wer mal musste, fuhr damit ans Ufer und holte anschließend das Floß wieder ein. Dazu gab es eine Stakstange zum Abstoßen und ein paar Hölzer, die als improvisierte Gangway dienten.
Auf dem deutlich stabileren „Küchenfloß“ wurden dann dreifarbige Nudeln gekocht und Jana rieb eine ordentliche Menge Käse. Dazu gab es verschiedene Gläser Pesto. Das "Kinderfloß" musste uns zunächst einmal einholen, anschließend bekamen auch die Kinder ihre Portion Nudeln herübergereicht. Danach fuhren wir wieder gemeinsam weiter und verbanden schließlich die beiden Flöße miteinander. Erst um 21:30 Uhr erreichten wir Knappnäs – inzwischen dämmerte es bereits leicht. Das Anlegen erwies sich als weitere kleine Herausforderung, denn durch den niedrigen Wasserstand ragten zahlreiche große Steine vor dem Ufer aus dem Wasser. Schließlich gelang es uns doch, die Flöße sicher festzumachen. Nun mussten noch die schweren Packsäcke ausgeladen und einen ordentlichen Hang hinaufgeschleppt werden. Oben auf der großen Wiese bauten wir unsere Zelte auf. Vor allem die Kleinste unserer Gruppe schlotterte inzwischen ordentlich vor Kälte. Anika und Antonia kümmerten sich um die Kleine, die noch eine Weile mit in unser Zelt durfte, bis schließlich auch das große Zelt ihrer Familie stand.
Danach wartete die kälteste Nacht der gesamten Reise auf uns – mit gerade einmal 4 Grad. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Und natürlich hatten wir für den Floßteil der Reise die kurzen Schlafanzüge eingepackt ... ahhh.
Dienstag, 11. August 2026
Nach der eisigen Nacht mit nur 4 Grad war die Morgensonne eine echte Wohltat! Bis 8 Uhr durften wir „ausschlafen“, bevor es Tee und Kaffee gab. Janins Sohn lieferte dann den Spruch des ganzen Urlaubs: Nachdem seine Mama am Vortag erklärt hatte, dass ein Floßbau richtig zusammenschweißt, verkündete er nach der kalten Nacht: „Mama, ich fühl mich noch gar nicht zusammengeschweißt!“ Herrlich! Doch das Lachen blieb uns im Halse stecken, denn das Wasser war über Nacht noch weiter gesunken, sodass erst einmal alle Erwachsenen ins Wasser mussten, um die Flöße freizuschieben. Anschließend beluden wir sie in einer langen Menschenkette: Packsäcke, Zelte und Küchenutensilien wanderten von Hand zu Hand, bis alles wieder an Bord war. Dann hieß es endlich Leinen los! Allerdings kamen wir nur im Schneckentempo voran. Schon bald saßen wir auf der ersten Sandbank fest und mussten erneut ins Wasser, um die Flöße freizuschieben. Beim Wiederaufsteigen rammte Jana sich die Wade ordentlich am Floß – Henriette musste sie sogar hochziehen. Der riesige blaue Fleck zierte Janas Bein für den Rest des Urlaubs. Heute frühstückten wir etwas später, während wir bereits auf dem Floß unterwegs waren. Jana schmierte Brote wie ein Weltmeister und die Kinder langten kräftig zu – manche verdrückten gleich fünf Schnitten! Am Nachmittag gab es dann noch Kaffee und Kuchen an Bord. Zwischendurch waren die beiden Flöße eine Weile getrennt, später wurden sie wieder zusammengebunden. Während der Fahrt übte Helge mit dem Kanu. Das hatte allerdings noch eine ganz andere wichtige Aufgabe: Es war unser „Pipi-Taxi“ und brachte uns für kleine und große Geschäfte ans Ufer. Für Letztere gehörten Spaten und Klopapier zur Ausstattung. Das Kanu hatte zwar nur zwei richtige Sitze, aber auch zwei Stabilisierungsstangen, auf denen immerhin die Kinder Platz nehmen durften. Manchmal saßen bis zu fünf Personen im Kanu – und wenn sich jemand bewegte, wurde es ganz schön wackelig! Eines der Kinder hatte anfangs mächtig Angst, dass wir kentern könnten. Immerhin entdeckten wir bei einem Toilettenausflug sogar Elchspuren am Ufer. Und Helges Kinder nutzten die Stopps auch für den einen oder anderen Sprung von der Sandbank ins Wasser. Am späten Nachmittag wurde auf dem Küchenfloß schon fürs Abendessen geschnippelt, als ein kurzer Regenschauer die Küchencrew und die Kinder unter die hastig aufgespannten Zeltplanen auf beiden Flößen trieb. Der Schauer war aber zum Glück bald wieder vorbei. Viel Strecke machten wir trotzdem nicht: Statt der erhofften zwei bis vier Kilometer pro Stunde schafften wir gerade einmal anderthalb. Als Jana zögerte, ein zweites Mal ins kalte Wasser zu steigen, weil ihr nach dem ersten Wassergang nicht unbedingt nach einer Wiederholung zumute war, hielt Sven dagegen: „Alle ins Wasser! In Alaska waren auch alle 17 Frauen im Wasser – und da war es viel kälter!“ Sven war an diesem Tag sichtlich ungeduldig, weil wir kaum vorankamen und dadurch sogar unser freier Tag auf der Kippe stand. Da kam schnell ein „Mimimi“, und Sven erklärte sich kurzerhand zur „Beschwerdeannahmestelle“. Doch keine Sorge: Es sollte auch wieder entspannter werden. Gegen 20 Uhr fuhren Sven, seine Partnerin und Janins Sohn mit dem Kanu voraus, um einen geeigneten Übernachtungsplatz zu finden. Beim Anlegen an einer Wiese bei Mörbacka war wieder ein Wassereinsatz nötig. Kaum waren die Flöße fest, begann das große Gewusel: Wir luden das Gepäck aus und machten uns ans Zelt. Sascha übernahm wie gewohnt den Aufbau, während Jana die Luftmatratzen mit den integrierten Fußpumpen aufblies. Anschließend richteten wir das Zelt gleich komplett ein: Matratzen auslegen, Schlafsäcke ausbreiten und Schlafanzüge bereitlegen – so sollte später im Dunkeln alles griffbereit sein. Dabei zeigte sich, dass Sascha sich bereits am Vortag beim Floßbau ziemlich übernommen hatte. Den ganzen Tag über hatte er sich nichts anmerken lassen, obwohl ihm die Arme wohl schon beim Staken wehtaten und er die Stakstange kaum halten konnte. Erst als er nun seinen Schlafsack aus der Hülle ziehen wollte und kaum zugreifen konnte, bat er Jana um Hilfe. Solche Wehwehchen behielt er lieber für sich – diesmal hatte er allerdings noch rund drei Wochen mit schmerzenden Armen zu tun. Während ringsum weitere Zelte aufgebaut und das Abendessen vorbereitet wurden, brannte das Feuer zwar schnell, aber gutes Brennholz war kaum zu finden. So dauerte es bis in die Dunkelheit, ehe endlich Würstchengulasch mit Reis auf den Tellern landete. Das schmeckte allen – nur Antonia verweigerte das Essen komplett und ging lieber hungrig ins Bett. Als die Sonne verschwunden war, wurde es wieder empfindlich kalt. Nach dem langen Tag auf dem Wasser krochen wir deshalb bald in unsere Schlafsäcke.
Mittwoch, 12. August 2026
Der Morgen war feucht und neblig - und die Zelte wollten einfach nicht trocknen. Also packten wir sie nass zusammen, während auf dem Lagerfeuer der Kaffee kochte. Trotz der frischen Temperaturen mussten wir beim Ablegen natürlich wieder ins Wasser. Doch diesmal gab es eine Neuerung: Wir fuhren gemeinsam mit unseren niederländischen Freunden und Janin auf dem „Kinderfloß“ – und damit waren auch die meisten Kinder an Bord. Die Stimmung war dort deutlich entspannter. Auch die Bedingungen auf dem Fluss änderten sich: In Norwegen hatte es drei Tage lang geregnet, weshalb am Oberlauf eine Talsperre geöffnet worden war. Außerdem waren in Schweden die Ferien zu Ende, sodass das Kraftwerk flussabwärts wieder mehr Strom produzieren musste. Beides sorgte für mehr Wasser im Klarälven. Tatsächlich kamen wir heute deutlich besser voran – unser Floß lag vorne, während das Küchenfloß etwas hinterherhinkte. Das hatte allerdings einen Nachteil: Zum Frühstück gab es erst einmal nichts für uns! Hinter einer Brücke wollten wir absichtlich in ein Kehrwasser fahren, um auf die anderen zu warten, und saßen prompt auf einer Kiesbank mit dicken Steinen fest. Immerhin holte Svens Partnerin die Kinder mit dem Kanu aufs Küchenfloß, wo sie schon einmal frühstücken konnten. Etwas später brachte Helge uns per Kanu ebenfalls unser Frühstück vorbei. Danach lief es richtig gut: Statt im Schneckentempo wie am Vortag glitten wir mit geschätzt fünf Kilometern pro Stunde dahin. Große Steuermanöver waren kaum nötig, gelegentlich mussten wir uns mit der Stakstange vom Ufer abstoßen. Zum Mittagessen gab es Salat und Äpfel, etwas später dann Kaffee und Kuchen. Einige Kinder gingen mit Helge baden und brachten bei der Gelegenheit auch gleich Holz mit. Sandbänke und größere Hindernisse waren heute kaum ein Thema – wir konnten einfach gemütlich dahingleiten. Helge und sein ältester Sohn machten sich zwischendurch auf den Weg, um einzukaufen, kamen dann aber doch ohne Einkäufe zurück. Unterwegs überholten wir schließlich auch die Franzosen, die am Bautag mit uns die Flöße gebaut hatten und damals als Erste losgefahren waren. Bald darauf fanden wir eine wunderschöne Anlegestelle gegenüber dem Dorf Stöllet mit seiner hübschen Stabkirche. Und als wäre das nicht genug Luxus, gab es hier im Naturschutzgebiet Stöflata sogar ein richtiges Plumpsklo! Zuerst bauten wir die Zelte auf und stellten sie anschließend auf den Kopf, damit sie in der Sonne noch trocknen konnten. Diesmal waren wir mit dem Abendessen deutlich früher dran: Es gab Kartoffelsuppe mit Würstchen und Möhrensalat als Vorspeise – und das Ganze noch im Hellen! Während die Kinder am Feuer spielten, konnten wir den Abend entspannt ausklingen lassen. Die heutige Sonnenfinsternis hatten wir beim Anlegen leider verpasst; außerdem machten die vielen Wolken die Beobachtung ohnehin schwierig. Dafür schauten wir uns am Handy Bilder von anderen Orten auf der Welt an, an denen das Ereignis zu sehen gewesen war. Und das Beste zum Schluss: Es war abends tatsächlich einmal recht mild, als alle in ihre Schlafsäcke krochen.
Donnerstag, 13. August 2026
Der Tag begann mit einer ungewöhnlichen Weckmusik: Sven spielte Fanfarenmusik, die uns wahlweise an Pfadfinder oder die US-Armee erinnerte. Viel Zeit zum Wachwerden blieb allerdings nicht, denn es hieß wie immer: zusammenpacken! Während der Kaffee gekocht wurde, waren die Zelte noch feucht. Deshalb beluden wir zunächst die Flöße, bauten anschließend die Zelte ab und verstauten auch diese. Dann konnte es endlich losgehen. Da der Wasserstand immer noch hoch war, fuhren wir heute wieder gemeinsam auf einem großen Floß. Das Frühstück gab es wie schon am Vortag während der Fahrt auf dem Wasser. Viel zu tun gab es für die Steuermänner nicht: Meistens ließen wir uns gemütlich treiben und mussten nur gelegentlich die Richtung korrigieren. Einmal saßen wir auf einer Sandbank fest, sodass wieder ein Wassereinsatz nötig wurde – diesmal allerdings ohne Jana. Danach glitten wir weiter den Fluss hinunter, während die Kinder vergnügt vom Floß ins Wasser sprangen und Jana fleißig Fotos davon machte. Nach einer Pipi-Pause schwamm Helge sogar zurück zum Floß, während sein ältester Sohn das Kanu ganz allein paddelte. Zwischendurch wurde Melone verteilt, doch kurz darauf war es mit dem gemütlichen Treiben erst einmal vorbei: Wir liefen plötzlich auf Steine und mussten erneut ins Wasser, um das Floß freizubekommen. Und dann, kaum hatten wir die nächste Kurve hinter uns, tauchte es endlich auf: Björkebo - unser Ziel!
Im flachen Wasser luden wir zunächst die Flöße ab. Danach stand die letzte große Aufgabe der Floßtour an: der Abbau. Was beim Aufbau noch rund zehn Stunden gedauert hatte, war nun in etwa einer Stunde erledigt! Alle packten mit an. Die Seile wurden abgezogen, die Baumstämme ins Wasser gleiten gelassen und von den Kindern in die dafür vorgesehene Baumstammsperre geschoben. Anschließend mussten nur noch die Seile ordentlich aufgewickelt werden. Das ging alles erstaunlich schnell – und machte obendrein richtig Spaß! Danach verluden wir unsere Sachen in den Bus. Einige von uns fuhren mit dem Bus zum Campingplatz, andere machten sich zu Fuß auf den Weg. Dort erwartete uns eine riesige Wiese mit ein paar Bäumen und Büschen, auf der Wohnmobile und Hütten verteilt waren. Zudem gab es eine Feuerstelle mit einer Überdachung daneben, rundherum war Platz für unsere Zelte. Wir bauten die Zelte zunächst zum Trocknen auf. Drei Familien hatten Hütten gebucht, während Helges Familie sowie Sven und seine Partnerin wieder im Zelt schliefen. Wir bezogen unsere Hütte und staunten nicht schlecht: zwei Schlafzimmer mit Doppelstockbetten, ein eigenes Bad mit Dusche und dazu ein großes Zimmer mit Couch, Tisch und Küche! Nach den Nächten im feuchten Zelt fühlte sich das nach purem Luxus an.
Während die Kinder spielten, trafen wir uns später am Lagerfeuer, um die nächsten Tage zu besprechen. Dazu gab es Müsliriegel. Anschließend konnten wir uns erst einmal eine ausgiebige Pause gönnen. Als die Zelte inzwischen trocken waren, packten wir sie wieder ein. Später wurde das Abendessen direkt am Lagerfeuer gekocht und gegessen: Spaghetti Carbonara! Mit den Tellern auf dem Schoß ließen wir es uns schmecken. Die Kinder waren begeistert und verdrückten gleich mehrere Portionen, bis schließlich alles aufgegessen war. Und natürlich waren auch die Mücken mit von der Partie. Sven hatte wieder einen köstlichen Spruch parat: „Gleich sticht dich die Mücke in die Halsschlagader und saugt sich voll, bis sie platzt.“ :o) Während danach einige Kinder spielten, halfen andere beim Abwasch. Heute ging es ausnahmsweise nicht ganz so spät ins Bett. Es war zwar schon Abend, aber noch nicht einmal richtig dunkel.
Freitag, 14. August 2026
Heute durften wir ausschlafen, denn das Frühstück war erst für 9 Uhr angesetzt. Draußen regnete es am Morgen, und so drehten wir uns in unseren warmen Betten einfach noch einmal um. Dabei mussten wir unweigerlich an unsere Mitreisenden denken, die diese Gemütlichkeit im Zelt nicht genießen konnten. Zum Frühstück trafen wir uns unter dem Dach neben der Feuerstelle. Wir ließen uns Zeit und frühstückten ausgiebig. Während die Erwachsenen gemütlich zusammensaßen, tobten die Kinder herum. Danach stand die Kanueinweisung auf dem Programm. Zunächst erklärte Sven auf der Wiese die Grundlagen der Paddeltechnik und zeigte, worauf es beim Steuern ankommt. Als Anschauungsobjekt musste sogar Helges Adilette herhalten, die kurzerhand zum Kanu umfunktioniert wurde. Nach der Theorie ging es an den Fluss: Wir trugen die Kanus die Böschung hinunter und starteten mit dem praktischen Teil. Anschließend bekam jede Familie ein eigenes Kanu, um das Gelernte direkt auszuprobieren. Besonders spritzig ging es in Helges Boot zu – dort wurde aus der Übungsfahrt kurzerhand eine richtige Spritzparty, bei der alle Insassen klatschnass wurden!
Zurück am Campingplatz wartete ein Picknick mit Waffeln und Hanuta auf uns. Danach war Freizeit angesagt. Jana und Henriette machten sich mit den meisten Kindern auf den Weg zu den Schafen. Dort durften wir die Tiere füttern und streicheln – für die Kinder ein echtes Highlight. Insgesamt waren es übrigens stolze 71 Schafe in Björkebo. Die anderen vertrieben sich die Zeit beim Fußballspielen, Schwimmen im Fluss oder auf dem Spielplatz. Zwischendurch wurde gequatscht und einfach die freie Zeit genossen. Inzwischen zeigte sich auch das Wetter von seiner besten Seite: Es war sonnig und warm, sodass sich der Tag nach dem regnerischen Morgen noch richtig sommerlich anfühlte.
Später mussten wir langsam wieder an die nächsten Tage denken und unsere Sachen für die bevorstehende Kanutour packen. Auch das Abendessen wollte vorbereitet werden: Kartoffeln mussten geschält werden, wobei einige Kinder fleißig mithalfen, und die Zwiebeln wurden in Ringe geschnitten. Sven kümmerte sich um den Kartoffelbrei, während Servaas die Fischstäbchen direkt am Lagerfeuer briet. Zusammen ergab das ein unkompliziertes, leckeres Abendessen, das nach dem aktiven Tag allen schmeckte. Danach stand noch der Abwasch an, bevor wir uns schließlich in unsere Betten oder Schlafsäcke zurückzogen. Morgen würde es wieder aufs Wasser gehen – diesmal nicht auf dem Floß, sondern im Kanu!
Samstag, 15. August 2026
Heute hieß es früh aufstehen, denn unsere Kanutour sollte beginnen! Zunächst mussten wir die Hütten reinigen und unsere Sachen zusammenpacken. Der Morgen war noch feucht, und so frühstückten wir wieder unter dem Dach neben der Feuerstelle. Anschließend wurden die Kanus zu Wasser gelassen und das Gepäck auf die Boote verteilt. Dabei wurde das Gepäck nicht nach Familien sortiert, sondern so auf die Boote verteilt, dass Gewicht und Platz möglichst gut passten. Als schließlich alles verstaut war, konnte unser neues Abenteuer beginnen. Die Fahrt auf dem Fluss war angenehm und ruhig, und wir genossen es, uns gemütlich durch die Landschaft zu paddeln. Unterwegs entdeckte Sven am Ufer ein Kanu der Floßfirma, das wir kurzerhand mitnahmen. Jana und Sascha stiegen dort um, während Anika und Antonia Verstärkung bekamen: die anderen beiden Mädchen der Gruppe schlossen sich ihnen an, sodass ein reines Mädchenboot entstand. Das sorgte bald für reichlich Unterhaltung, denn zwischen dem Mädchenboot und dem Jungsboot von Helge entbrannte eine kleine Wasserschlacht. Helges Boot hatte allerdings noch ganz andere Probleme: Obwohl dort die kräftigsten Paddler an Bord waren, blieb es immer wieder weit zurück und verschwand zeitweise sogar ganz aus unserem Blickfeld.
Nach einer Weile legten wir auf einer Sandbank eine Pause ein. Brot, Käse und Salami wurden ausgepackt, während die Kinder die Gelegenheit zum Planschen nutzten. Einer der Jungen schwamm trotz der starken Strömung gleich zweimal zum anderen Flussufer, ein weiterer wagte sich einmal hinüber. Die Mädchen hatten derweil eine ganz eigene Idee: Sie buddelten ein großes Loch in den Sand und fluteten es, bis ein regelrechter Pool entstanden war. Bei solchen Buddelaktionen ließ Svens Kommentar nie lange auf sich warten: „Seid ihr schon bei Erdöl?“ :-) Während die Kinder beschäftigt waren, machten es sich einige Erwachsene auf der Sandbank bequem und schliefen ein. Überall lagen Menschen verstreut herum – und manche sahen dabei aus, als wären sie tot umgefallen. Nach der Pause ging es wieder aufs Wasser. Die Weiterfahrt verlief zunächst entspannt, auch wenn Helges Boot lange hinterherhinkte. Später fiel dann auch das Mädchenboot zurück. Unser ursprünglich angepeilter Übernachtungsplatz kam schließlich in Sicht, doch wir paddelten daran vorbei. Für die Nacht war ein Gewitter angekündigt, das gegen 21 Uhr eintreffen sollte. Deshalb wollten wir noch ein Stück weiterfahren, bis wir einen Platz fanden, an dem wir eine schützende Plane aufspannen konnten.
Am neuen Lagerplatz in Storsand angekommen, richteten wir uns für die Nacht ein. Direkt an der Anlegestelle stand eine Hütte, die zwar verschlossen war, uns aber trotzdem gute Dienste leistete: Wir spannten eine Plane an der Hütte auf, unter der wir für den nächsten Morgen ein umgedrehtes Kanu als Frühstückstisch platzierten. Die Vorräte stellten wir möglichst geschützt an die Hüttenwand, und davor befand sich eine Feuerstelle. Hinter diesem Bereich lag zunächst ein etwa 150 Meter langes Wäldchen, das kurzerhand zu unserem „Toilettenwald“ erklärt wurde. Dahinter öffnete sich ein freies Feld, auf dem wir unsere Zelte aufbauten – ein ganzes Stück entfernt von den Booten, der Feuerstelle und der Hütte.
Während Sven schon das Lagerfeuer vorbereitete, begannen die Kinder zu schnitzen. Dabei verpasste sich Antonia einen ordentlichen Schnitt unterhalb des Daumens. Zum Glück war Sven zur Stelle und versorgte die Verletzung ausgesprochen fachmännisch. Er legte den Verband so an, dass der Daumen etwas abgespreizt blieb und die Wundränder in Ruhe wieder zusammenwachsen konnten, ohne dass die Haut bei jeder Bewegung erneut auseinandergezogen wurde. Das half richtig gut! Sven erklärte uns außerdem, dass die ersten sechs Stunden für die Heilung entscheidend seien. Da merkte man, dass er wusste, wovon er sprach – Antonia war bei ihm jedenfalls bestens versorgt.
Bis zum angekündigten Gewitter war noch etwas Zeit, die die Kinder zum Schwimmen und Planschen nutzten. Zum Abendessen gab es Salat und Eierkuchen. Das klang einfach, zog sich aber ganz schön in die Länge, denn mit nur zwei Pfannen dauerte es, bis alle versorgt waren. Jeder bekam ungefähr drei Eierkuchen. Anika wurde zwischendurch zunehmend ungeduldig, weil sie noch nicht an der Reihe war. Während die letzten Portionen gebacken wurden, kam die angekündigte Regenfront immer näher und der Wind frischte auf. Also hieß es: schnell den Abwasch erledigen und ab in die Zelte! Die Kinder hatten angesichts des drohenden Gewitters ein bisschen Angst, und auch Jana fand die Vorstellung alles andere als angenehm, bei einem Gewitter draußen sein zu müssen. Doch wir hatten Glück: Das Gewitter zog weiter nördlich an uns vorbei. In der Ferne konnten wir zwar die Blitze zucken sehen, aber bei uns blieb die Nacht ruhig. Erst am Morgen bekamen wir noch etwas leichten Regen ab. Mit 12 Grad war die Nacht vergleichsweise warm, sodass wir trotz der spannenden Wettervorhersage einigermaßen entspannt schlafen konnten.
Sonntag, 16. August 2026
Heute durften wir endlich wieder ausschlafen – und zwar bis nach 8 Uhr! Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein war es bereits angenehm warm, und der Morgen fühlte sich richtig sommerlich an. Während das Feuer für den ersten Kaffee angezündet wurde, packten wir schon einmal unsere Sachen zusammen. Beim anschließenden Frühstück gab es unter anderem Nudossi und Honig. Trotzdem langten die Kinder längst nicht so kräftig zu wie noch auf dem Floß. Die neuen Taschenmesser, die sie von Sven bekommen hatten, waren einfach viel spannender – und so wurde lieber geschnitzt als gegessen. Während die Eltern anschließend die Zelte einpackten, übernahmen die Kinder den Abwasch. Gegen Mittag waren wir schließlich bereit für die nächste Etappe unserer Kanutour.
Gegen 12 Uhr ließen wir die Kanus zu Wasser, verstauten das Gepäck und machten uns nach und nach auf den Weg. Lange dauerte es allerdings nicht, bis die ersten Boote wieder eine Pause einlegten: Das Mädchenboot steuerte bereits die nächste Sandbank an, während Helge wie gewohnt zurückblieb. Auch Sven machte bei den Mädchen Halt. Wie sich später herausstellte, gab es dort ein Plumpsklo, das für eine gemeinsame Klopause genutzt wurde. Wir anderen bekamen davon allerdings nichts mit und trieben derweil schon gemütlich flussabwärts. Überhaupt mussten wir heute kaum paddeln, sondern ließen uns größtenteils einfach von der Strömung treiben. Irgendwann tauchten die Mädchen wieder auf – von Helge war jedoch weiterhin weit und breit nichts zu sehen. Erst später erfuhren wir, dass er mit seinen Jungs am Ufer verrostete Autowracks angeschaut hatte.
An einer Sandbank legten wir schließlich eine Pause ein und packten Brot und Käse aus. Die Kinder nutzten die Gelegenheit, um im Sand zu spielen, während wir Erwachsenen die Ruhe genossen. Helge ließ allerdings ganz schön lange auf sich warten: Erst nach mehr als einer Stunde stieß er wieder zu uns. Kaum waren wir anschließend wieder auf dem Wasser, ging das Spiel von vorne los. Das Jungsboot machte bereits an der nächsten Sandbank halt, diesmal zum Baden. Die Mädchen hielten natürlich ebenfalls an – und Janin, die mit ihrem Sohn unterwegs war, kam nun auch nicht mehr um die Badepause herum. Während sich also ein Teil der Gruppe immer wieder am Ufer vergnügte, hatten die übrigen drei Boote irgendwann einen ordentlichen Vorsprung herausgepaddelt. Oder besser gesagt: herausgetrieben! Wir ließen uns nämlich weiterhin gemütlich von der Strömung mitnehmen. So schön die vielen Pausen für die Kinder auch waren, bei uns Erwachsenen machte sich langsam Unmut breit. Wir wollten schließlich auch Strecke machen und nicht den ganzen Tag von einer Sandbank zur nächsten hüpfen.
Irgendwann erreichten wir dann doch unseren Lagerplatz. Während die Eltern die Zelte aufbauten, waren die Kinder schon wieder am und im Wasser beschäftigt. Der Platz war wirklich herrlich: Direkt vom vorderen Teil des Lagerplatzes aus hatten wir einen schönen Blick auf den Fluss, und eine breite Sandbank lud zum Spielen ein. Von dort führte ein kleiner Weg durch ein Wäldchen. Hinter einer Kurve wurde er breiter und sah schließlich eher wie eine Wiese als wie ein Weg aus. Genau dort standen einige unserer Zelte – darunter unseres und die Zelte unserer Freunde aus den Niederlanden und aus Hamburg. Sven und Janin hatten ihre Zelte weiter vorne beim Lagerfeuer aufgeschlagen. So verteilte sich unsere Gruppe ein wenig über den Platz, ohne dass wir weit voneinander entfernt waren.
Zum Abendessen gab es Rindergulasch mit Klößen – eine ordentliche Stärkung nach dem Tag auf dem Wasser. Als Nachtisch wurde Popcorn serviert, was bei den Kindern natürlich gut ankam. Nach dem Essen ließen wir den Tag gemütlich ausklingen. Da wir am nächsten Tag wieder einiges vorhatten, ging es heute vergleichsweise früh ins Bett. Nach einem sonnigen, warmen Tag an der frischen Luft waren wir vermutlich alle froh, bald in unseren Schlafsäcken zu liegen.
Montag, 17. August 2026
Der Morgen begrüßte uns mit Regen, später blieb der Himmel immerhin bedeckt. Da wir heute wieder ausschlafen durften, ließen wir es ruhig angehen und krochen erst nach 8 Uhr aus unseren Schlafsäcken. Nach dem Frühstück hieß es dann wie gewohnt: alles zusammenpacken, Zelte abbauen und die Kanus startklar machen. Diesmal gelang es uns, als Gruppe unterwegs zu bleiben und nicht gleich wieder in alle Richtungen auseinanderzudriften. Unser erstes Ziel war Ekshärad. Dort legten wir unter einer Brücke an und gingen gemeinsam bis zur Hauptkreuzung des Ortes. Von dort aus schwärmte jeder auf eigene Faust aus, um Ekshärad zu erkunden. Einige zog es in den Supermarkt, andere schauten sich die Kirche und den Friedhof mit seinen auffälligen Lebensbäumen an. Auch das Heimatmuseum wurde entdeckt. Und wie es der Zufall wollte, landeten am Ende alle wieder am selben Ort: in der Eisdiele! Ganz ohne Verabredung hatte sich unsere Gruppe dort wieder zusammengefunden. Nach einem großen Eis war der Ausflug aber noch nicht vorbei. Zurück am Fluss machten wir es uns noch bei einem Picknick gemütlich, bevor wir wieder in die Kanus stiegen.
Für die Weiterfahrt hatte Helge eine besondere Idee: Er nahm kurzerhand alle seine Kinder mit in sein Boot. Dadurch kam er etwas später los als der Rest der Gruppe. In Janins Boot übernahm diesmal ihr Sohn das Steuer – allerdings kamen die beiden dadurch nicht gerade schneller voran. Ihr Boot fiel zunehmend zurück. An einer Sandbank legten wir eine Pause ein. Zum Baden war es heute etwas zu kühl, aber die Kinder fanden natürlich trotzdem genügend Beschäftigung im Sand. Die Erwachsenen nutzten die Gelegenheit, sich ein wenig auszuruhen. An dieser Stelle warteten wir auch auf Janin, die nun wieder zu uns stieß. Anschließend ging es weiter in Richtung unseres nächsten Übernachtungsplatzes. Helge brach allerdings später auf, denn seine Kinder waren noch mit Versteckspielen oder Planschen beschäftigt. Bei Bergsäng angekommen, ging das übliche Lagerleben los: anlegen, Gepäck ausladen und Zelte aufbauen. Nur Helge fehlte immer noch. Trotzdem gelang es ihm, unser Lager wiederzufinden, obwohl die Zelte und Boote durch Büsche und einen kleinen Wall am Ufer vom Fluss aus kaum zu sehen waren. Unser Lagerplatz war wieder richtig schön gelegen und hatte erneut eine Sandbank direkt am Fluss – wenn auch eine etwas kleinere als am Vorabend in Halla. Die Kinder schwammen und spielten im Wasser und im Sand, während wir Erwachsenen die angenehme Wärme des Abends genossen. Als die Sonne langsam unterging, wurde es noch einmal richtig gemütlich.
Zum Abendessen gab es Nudeln mit Tomatensoße und Salamistücken, danach Vanillepudding. Doch heute stand noch ein besonderer Programmpunkt an: Helge hatte Geburtstag! Er spendierte zu diesem Anlass zwei Flaschen Kindersekt. Die hatten vorher zum Kühlen im Fluss gelegen und waren nun bereit für die Feier. Jana steuerte kurzerhand eine Tafel Schokolade als spontanes Geburtstagsgeschenk bei, von der anschließend alle naschten. Natürlich durfte auch ein Geburtstagsständchen nicht fehlen – gemeinsam sangen wir für Helge. Beim Anstoßen erzählte Helge, dass er nun 49 werde – „ein Jahr vor dem Club der alten Knacker“. Sascha hielt dagegen: „Man ist nur so alt, wie man sich fühlt.“ Helge stimmte zu: „Tatsächlich fühle ich mich noch jung und gut.“ Servaas hatte darauf allerdings eine wenig aufmunternde Antwort parat: „Das bleibt nicht so.“ Na, wenn das keine aufbauenden Glückwünsche zum 49. Geburtstag waren! Nach dem Essen waren alle satt und zufrieden. Allerdings wurde es mit dem Sonnenuntergang auch deutlich frischer, sodass wir uns bald in unsere Schlafsäcke zurückzogen. Die Nacht versprach erneut kalt zu werden. So endete ein abwechslungsreicher Tag zwischen Ortsbesichtigung, Eis, Flussfahrt und einer kleinen Geburtstagsfeier unter freiem Himmel.
Dienstag, 18. August 2026
Schon kurz nach 7 Uhr genossen Servaas und Sascha die Ruhe am Fluss. Über dem Wasser lag noch der Morgennebel, den Sascha poetisch als das „Tanzen der Feen über das Wasser“ bezeichnete. Während die beiden diesen besonderen Moment auskosteten, schlief der Rest der Truppe noch. Erst nach 8 Uhr wurde es nach und nach lebendig am Lagerplatz. Sven machte Feuer, und bald saßen alle beim Frühstück in der Morgensonne. Danach ging es ganz entspannt ans Zusammenpacken. Die Zelte durften in der Sonne trocknen, während die Boote beladen wurden. Schließlich war alles verstaut und wir machten uns auf die letzte Etappe unserer Kanutour. Die verlief erfreulich ruhig, und diesmal blieb die Gruppe weitgehend zusammen. Nur Helge legte mit den Jungs noch einmal einen kurzen Zwischenstopp an einer Sandbank ein. Für Abwechslung sorgte Sven, der Äpfel kurzerhand in den Fluss warf. Wer einen wollte, musste ihn sich eben aus dem Wasser angeln. Kurz vor dem Ziel gab es dann noch eine Hanuta-Pause – natürlich wurde auch diese nicht einfach so abgehalten: Die Riegel flogen ins Wasser und mussten von ihren Empfängern herausgefischt werden. Schließlich erreichten wir Gunnerud, wo wir am ersten Tag unsere Floßeinweisung bekommen hatten. Damit war unsere Tour auf dem Klarälven endgültig zu Ende. Die Boote wurden entladen und Sven hatte noch eine letzte Überraschung für die Kinder parat: Er zeigte ihnen, wie man mit einem Kanu kentert. Dazu stiegen jeweils vier Kinder in ein Boot, und Sven kippte es seitlich um. Für die Kinder ein Riesenspaß – und ein ziemlich nasser Abschluss des Flussabenteuers!
Anschließend wurden Gepäck und Boote in Bus und Anhänger verladen. Auf dem Weg zum Campingplatz legten wir noch einen Zwischenstopp im Supermarkt ein, um die Vorräte aufzustocken. Für die Fahrt gab es außerdem wieder das Hörspiel „Der Tag, an dem Max 3x ins Auto kotzte“ – diesmal auch für die Hamburger Kinder. Helge selbst war nicht dabei, er fuhr hinter Svens Bus im eigenen Auto her. Im Supermarkt wurden reichlich Süßigkeiten für die Kinder eingekauft, und ein Eis für alle durfte natürlich ebenfalls nicht fehlen. Am Campingplatz Storängens Camping angekommen, hieß es erst einmal auspacken. Drei Familien bezogen die einfachen Hütten, während Sven und seine Partnerin auch diesmal wieder im Zelt schliefen. Die Kinder eroberten sofort den Spielplatz, während Helge mit den Jungs eine Runde Minigolf spielte. Auch die Sprüche des Tages ließen nicht lange auf sich warten: Als „Bootsbeschwerer“ wurden diejenigen bezeichnet, die sich beim Paddeln eher zurückhielten. Und auch für den Gang zur Toilette gab es eine ungewöhnliche Umschreibung: „Getränkerückgabe“. Bei der Kaffeepause gab es Riegel und Hanuta, bevor sich einige endlich wieder unter die Dusche stellten. Nach den Tagen auf dem Fluss fühlte man sich danach tatsächlich wieder „als Mensch“.
Zum Abendessen standen Pellkartoffeln mit Spinat und Spiegelei auf dem Tisch. Zwiebeln durften dabei natürlich nicht fehlen, denn Sven hatte eine klare Meinung zu diesem Thema: „Ein Essen ohne Zwiebeln schmeckt wie nackter Arsch!“ :o) Weil Antonia zögerte, forderte er sie direkt auf: „Antonia, probier mal bei deiner Schwester!“ - aber Antonia begnügte sich mit den puren Kartoffeln. Und weil ein Lagerfeuerabend ohne etwas Süßes nur halb so schön ist, wurden anschließend Schokobananen zubereitet: Dazu erhitzten wir die Bananen über dem Feuer, ritzten anschließend die Schale ein und steckten Schokolade hinein. Dann konnte man das Ganze einfach auslöffeln. Hmmm! Doch der Abend hatte auch eine wehmütige Seite. Wir verabschiedeten uns von Helge und seinen Kindern, die noch am selben Abend die lange Rückfahrt nach Hamburg antreten mussten. Dort waren die Ferien kürzer, sodass sie bereits über Nacht nach Hause fahren mussten. Für alle anderen ging es danach ebenfalls bald ins Bett. Es wurde schon mächtig frisch, und nach den ereignisreichen Tagen auf dem Wasser freuten sich alle auf eine gemütliche Nacht in der Hütte.
Mittwoch, 19. August 2026
Nach etwas Regen in der Nacht begrüßte uns der Morgen wieder mit Sonne und warmen Temperaturen. Heute mussten wir nirgendwo hin und konnten endlich einmal ausschlafen. Erst um 9 Uhr trafen wir uns zum Frühstück. Der Tag stand zur freien Verfügung. Die Kinder spielten, zwei von ihnen lieferten sich eine Runde Minigolf, und Sven kümmerte sich um die Ausrüstung. Er trocknete die Sachen und kontrollierte alles gründlich auf Risse, kaputte Reißverschlüsse und andere Schäden. Die Erwachsenen nutzten die freie Zeit, um gemütlich zusammenzusitzen und sich zu unterhalten. Mittags gab es Limonade, bevor es ans Wasser ging. Einige sprangen zum Schwimmen in den Fluss, während die Mädchen mit den Frauen am Steg planschten. Ein entspannter Sommertag, wie man ihn sich nach den aktiven Tagen auf dem Wasser wünscht.
Später machten sich die Erwachsenen zu Fuß auf den Weg zu einem Café in der Nähe. Unterwegs kamen wir am Geburtshaus von Tage Erlander vorbei, dem früheren schwedischen Ministerpräsidenten. Leider war das Café geschlossen. Ein Schild verwies auf ein Café in Munkfors – und damit war unser Ausflug noch nicht beendet. Sven bot kurzerhand an, mit uns allen dorthin zu fahren. Also stiegen auch die Kinder in den Bus. Auf der Fahrt quasselten die Kinder alle durcheinander: „Wie lange fahren wir noch? Wann sind wir da? Wann gibt’s Kekse? Gibt’s auch Kakao?“ Die Fragen prasselten in rascher Folge auf uns ein, wie ein kleines verbales Feuerwerk. In Munkfors angekommen, entdeckten wir, dass sich das Café in einer alten Eisenhütte befand, die heute als Industriedenkmal erhalten ist. Dort wurden wir mit sehr gutem schwedischem Kuchen und leckeren Waffeln belohnt. Als wir das Café anschließend gemeinsam verließen, gab es für die Kinder noch etwas zu entdecken: Sie kletterten auf einem alten Schmiedehammer herum. So wurde aus dem kleinen Café-Ausflug noch ein richtiges Erlebnis. Als dunkle Wolken aufzogen, machten wir uns lieber rasch auf den Rückweg. Auf dem Campingplatz trockneten noch die Schwimmwesten auf der Leine – Glück gehabt, denn bei uns war der Regen ausgeblieben. Die Kinder spielten anschließend weiter, während Sascha sich allein auf den Weg zu einem Aussichtsturm machte.
Zum Abendessen gab es Chili con Carne für die Erwachsenen. Die Kinder konnten sich stattdessen noch an den Pellkartoffeln vom Vortag bedienen. Obwohl der Himmel wieder blau war, wurde es mit dem Sonnenuntergang empfindlich kalt. Da half alles nichts: Schnell hinein in die Hütte und ab ins Bett!
Donnerstag, 20. August 2026
Gegen 8 Uhr standen wir auf und starteten in unseren letzten Morgen auf dem Campingplatz. Nach dem Frühstück hieß es, die Hütten zu reinigen, die Sachen zusammenzupacken und die letzten Handgriffe zu erledigen. Gegen 10 Uhr waren wir abfahrbereit. Vor uns lag die Fahrt einmal quer durch Schweden bis zur Fähre in Malmö. Für unsere Pausen steuerten wir wieder die beiden Raststätten an, die wir bereits von der Hinfahrt kannten. An der ersten gab es allerdings unterschiedliche Vorstellungen vom perfekten Mittagessen: Die Kinder bevorzugten Burger King, während die Erwachsenen lieber schwedische Kost probierten. Köttbullar, Kohlroulade oder Krabbenbrot – für jeden war etwas dabei. Am Nachmittag legten wir an der Raststätte mit der Bäckerei eine ausgiebigere Pause ein. Bei Kaffee, Kuchen und ein paar Äpfeln konnten wir uns noch einmal stärken, bevor wir die letzte Etappe bis Malmö in Angriff nahmen.
An der Fähre angekommen, hieß es zunächst warten. Doch Langeweile kam nicht auf, denn Sven wusste die Kinder bestens zu beschäftigen. Er trug sie huckepack oder gleich kopfüber herum, während sie ihm dabei ordentlich auf den Hintern hauten. Auch das Abendessen erledigten wir noch in der Warteschlange: Es gab Brot mit Wurst und Käse. Als wir endlich auf die Fähre fahren durften, bezogen wir unsere Kabinen. Und siehe da: Wie schon im letzten Jahr hatten wir als einzige eine Außenkabine erwischt! Die Kinder tobten sich erst einmal im Ballpool aus. Für die verschwitzten kleinen Energiebündel mussten anschließend überteuerte Getränke her – nach so viel Bewegung war der Durst offenbar groß. Vom Oberdeck aus konnten wir im Dunkeln noch einen Blick auf Malmö werfen. Besonders markant zeichnete sich der "Turning Torso" gegen den Nachthimmel ab. Ein schöner letzter Blick auf Schweden, bevor wir den Hafen hinter uns ließen. Nachdem die Fähre den Hafen verlassen hatte, verschwanden alle in ihren Kabinen. Nach dem langen Fahrtag und dem Trubel beim Einschiffen kehrte schnell Ruhe ein. Schweden lag hinter uns – und die letzte Nacht unserer Reise verbrachten wir wieder auf dem Schiff.
Freitag, 21. August 2026
Kurz nach 6 Uhr wurden wir von der Durchsage der Fähre geweckt. Also hieß es: frisch machen, die Kabine räumen und langsam wieder in den Tag starten. Anschließend schauten wir bei der Einfahrt nach Travemünde zu – Schweden lag nun endgültig hinter uns. Für einen letzten Lacher sorgte Servaas, der sich mit einem passenden Kommentar an Henriette wandte: „Es ist vorbei, Liebling, du hast es geschafft! Du musst heute kein Zelt abbauen!“ Von Travemünde aus ging es mit dem Bus weiter Richtung Berlin. An einer Raststätte legten wir einen Frühstücksstopp ein. Der fiel allerdings eher schlicht aus: Tankstellen-Atmosphäre mit wenig Gemütlichkeit. Nach den schwedischen Raststätten, in denen man es sich auch unterwegs richtig gemütlich machen konnte, war das ein deutlicher Kontrast. Am Rand des Berliner Rings gab es noch eine kurze Toilettenpause, bevor wir schließlich gegen 14 Uhr am BER ankamen. Dort hieß es Abschied nehmen. Zuerst verabschiedeten wir uns von Sven und seiner Partnerin, die direkt weiter nach Dresden fuhren. Am Flughafen trennten sich dann auch unsere Wege von den Niederländern und Janin. Für uns war die Reise damit aber noch nicht ganz vorbei: Wir fuhren weiter zu Oma nach Berlin, wo wir die nächsten zwei Tage verbringen würden. Und dort wurden wir noch einmal so richtig verwöhnt! Nach dem Abenteuerurlaub mit Zelten, Kanus und Lagerfeuern war das ein wunderbar entspannter Ausklang unserer Schwedenreise.
Unser Fazit: Dieser Schwedenurlaub hatte es deutlich mehr in sich als der vom letzten Jahr. Statt entspannter Naturerlebnisse gab es diesmal jede Menge Abenteuer, Survival-Feeling und Situationen, die uns durchaus an unsere körperlichen Grenzen brachten. Vor allem die ersten beiden Tage auf dem Floß waren für Jana eine echte Herausforderung. Zeitweise fragte sie sich ernsthaft, ob sie das überhaupt überleben würde – und vor allem, warum sie eigentlich Geld dafür bezahlt hatte. Für so ein Erlebnis müsste man doch eigentlich welches bekommen! Doch nach dem schwierigen Start entwickelte sich die Reise tatsächlich noch zu einem richtig schönen Urlaub. Einen großen Anteil daran hatte unsere fantastische Reisegruppe. Weil wir uns teilweise schon kannten, war schnell eine vertraute Atmosphäre da. Und mit einer ordentlichen Portion Humor ließ sich so manche Herausforderung gleich viel besser ertragen. Unterm Strich war es ein Urlaub, der uns einiges abverlangte, uns aus unserer Komfortzone lockte und uns so manche Geschichte bescherte, über die wir vermutlich noch lange lachen werden. Vielleicht nicht immer bequem, nicht immer einfach – aber auf jeden Fall ein Abenteuer, das in Erinnerung bleibt!