Samstag, 8. August 2026
Bereits am Freitag waren wir von München aus zu Oma nach Berlin gefahren. Heute ging es dann endlich richtig los: Gegen Mittag machten wir uns auf den Weg zum Fernbusbahnhof am BER, wo Reiseleiter Sven uns mit seinem Kleinbus einsammeln sollte. Mit an Bord waren auch wieder unsere lieben Freunde vom letzten Jahr – diesmal sogar mit Verstärkung: Eine Freundin und ihr Sohn begleiteten sie. Die vierte Familie unserer Reise fuhr mit dem eigenen Auto nach Schweden, sodass unsere kleine Reisegruppe damit komplett war. Sven hatte eigentlich angekündigt, gegen 13:30 Uhr am BER zu sein. Allerdings hatte er selbst mit dem Verkehr zu kämpfen und steckte im Stau fest. So wurde es schließlich 14:30 Uhr, bis wir tatsächlich loskamen. Lange mussten wir trotzdem nicht auf die erste Pause warten. Bereits am Berliner Ring legten wir den ersten Stopp ein – allerdings weniger aus touristischen Gründen als vielmehr, weil Sven als Fahrer seine vorgeschriebenen Pausenzeiten einhalten musste. Die zweite Rast machten wir später an der Raststätte Stolpe in Mecklenburg-Vorpommern. Die kannten wir bereits vom letzten Jahr. Die Fahrt selbst verging erstaunlich schnell. Wir quatschten und dösten zwischendurch auch immer mal wieder weg. Kurz vor Travemünde sorgte dann ein Hörspiel für den Höhepunkt der Unterhaltung: „Wie Max dreimal ins Auto kotzte“. Der Titel hielt, was er versprach – und wir lachten uns alle kaputt. In Kücknitz machten wir noch einen letzten Halt zum Abendessen und versorgten uns mit Pizza, bevor es endgültig auf die Fähre nach Malmö ging. Zur Abfahrt schauten wir noch schnell vom Deck aus zu, wie Deutschland langsam hinter uns zurückblieb. Danach huschten wir in unsere Innenkabine – und zumindest bei uns dauerte es nicht mehr lange, bis alle eingeschlafen waren.
Sonntag, 9. August 2026
Schon um 6:15 Uhr ertönte auf der Fähre die Durchsage zum Aufstehen. Während die meisten von uns vermutlich noch nicht ganz freiwillig ansprechbar waren, huschte Sascha direkt aufs Oberdeck. Er machte - wie schon letztes Jahr - ein paar Fotos von der Durchfahrt unter der Öresundbrücke. Kurz nach 7 Uhr erreichten wir Malmö und verließen direkt die Fähre. Die ersten beiden Stunden der anschließenden Busfahrt verliefen ausgesprochen ruhig – die meisten nutzten die Gelegenheit, noch ein bisschen Schlaf nachzuholen. Gegen 10:30 Uhr legten wir an der Björkäng Vägkrog unsere erste Pause ein und frühstückten. Etwa 3 Stunden später folgte bei Rasta Brålanda der nächste Stopp mit einem Mittagessen bei Burger King, bevor es auf die letzte Etappe ging. Und dann wurde es langsam spannend: Auf dem letzten Stück führte unsere Straße bereits am Klarälven entlang. Genau diesem Fluss würden wir in den kommenden zwei Wochen folgen – zunächst vier Tage auf unserem selbst gebauten Floß und anschließend noch vier Tage mit Kanus. Jetzt war also endgültig klar: Unser Abenteuer war zum Greifen nah! Ziemlich genau um 17 Uhr erreichten wir schließlich Vildmark i Värmland in Gunnerud, den Ausgangspunkt unserer Floß- und Kanutour. Allerdings war dort gerade noch eine andere Familie mit ihrer Einweisung in den Floßbau beschäftigt. Also hieß es für uns erst einmal: Gepäck ausladen und Zelte aufbauen. Beim Abladen entdeckten die Kinder außerdem einen flachen Bollerwagen, der eigentlich zum Transport unseres Gepäcks gedacht war. Die vorgesehene Verwendung war ihnen allerdings ziemlich schnell egal – viel spannender war es natürlich, sich gegenseitig damit durch die Gegend zu ziehen. So wurde aus dem Gepäckwagen kurzerhand ein kleines Kinderfahrgeschäft. Beim Zeltaufbau gab es dann direkt den ersten kleinen Zwischenfall: Bei unserem Zelt brach prompt eine Zeltstange. Zum Glück konnte Sven die Stange mit etwas Tape und einem Metallröhrchen wieder einsatztauglich reparieren. Gegen 19 Uhr waren dann wir an der Reihe und bekamen unsere Einweisung in den Floßbau. Dazu gehörten natürlich auch die verschiedenen Knoten, die wir später dringend brauchen würden. Wir übten eine ganze Weile und anschließend gab es endlich Abendessen: Kartoffeln mit Quark – einfache, aber genau passende Verpflegung nach der langen Anreise. Doch damit war der Abend noch nicht vorbei. Wir mussten außerdem unser Gepäck für die kommenden vier Tage neu sortieren. Denn auf dem Floß konnten wir natürlich nicht sämtliche Sachen mitschleppen. Also kam nur die Hälfte unseres Gepäcks mit auf die Tour, während die andere Hälfte sicher im Bus blieb. Jetzt war wirklich alles vorbereitet: Am nächsten Morgen würden wir unser eigenes Floß bauen - und Jana schlotterten schon ein bisl die Knie davor...
Montag, 10. August 2026
Gegen 6 Uhr hieß es Aufstehen. Leider hatte es schon in der Nacht immer wieder genieselt und entsprechend nass war auch der Zeltboden. Zum Frühstück konnten wir uns immerhin unter einem Dach bei Vildmark i Värmland setzen. Danach wurden die Zelte abgebaut und alle Sachen bereitgelegt, die mit auf das Floß sollten. Dann kam ein großer Bus, der uns etwa 100 Kilometer den Klarälven hinauf bis nach Branäsäng brachte. Unterwegs regnete es immer wieder. Etwa auf halber Strecke, in Björkebo, machten wir einen kurzen Halt und Sven ließ dort seinen Kleinbus stehen, bevor es weiter flussaufwärts ging. In Branäsäng angekommen, hatten wir immerhin Glück: Es war trocken! Nun ging es an den eigentlichen Floßbau. Zunächst mussten die Baumstämme aus sechs Stapeln sortiert werden. Alle waren drei Meter lang, aber unterschiedlich dick. Insgesamt sollten daraus vier Floßsegmente mit jeweils drei mal drei Metern entstehen. Jedes Segment bestand aus drei Lagen: unten die dicken Stämme, darüber quer dazu mitteldicke Stämme und in der dritten Lage eher dünnere Stämme. Sven meinte, dass unsere Kräfte ab Mittag vermutlich nachlassen würden, deshalb sollten wir zunächst die dicksten Stämme für alle vier Segmente aus den Holzstapeln heraussuchen und zum Wasser schaffen. Schon das war eine kleine Herausforderung, denn auf dem Weg dorthin mussten wir eine Barriere über eine selbstgebaute Rampe überwinden. Und weil der Klarälven extrem wenig Wasser führte, wartete anschließend noch eine etwa 200 Meter lange Sandbank auf uns. Die Baumstämme mussten wir dort meist zu zweit oder zu dritt mit den Füßen vor uns herrollen, bis wir endlich die Wasserkante erreicht hatten. Gegen 13:30 Uhr gab es Mittagessen: Buchstabensuppe. Also eher eine überschaubare Mahlzeit – schließlich sollte bloß niemand ins „Suppenkoma“ fallen und danach nicht mehr arbeiten können. Das war zumindest Svens Begründung. Erst gegen 15 Uhr war das erste Floß aus zwei Segmenten einigermaßen fertig und miteinander verbunden. Der Bau von Segment drei und vier gestaltete sich dann allerdings deutlich chaotischer. Viele Stämme lagen bereits an der Wasserkante, waren aber dann doch nicht dick genug oder es waren schlicht zu wenige. Rollte man neue Stämme herunter, lagen natürlich die vorherigen im Weg. So entstand langsam ein ziemlich großes Durcheinander. Dazu kam, dass Sven uns in dieser Phase deutlich weniger anleitete und stattdessen eher schimpfte, wenn wir etwas ratlos herumstanden. Die Stimmung wurde dadurch zeitweise etwas angespannt. Sven hatte am Morgen noch gesagt, dass wir spätestens um 17 Uhr ablegen sollten, weil es sich später nicht mehr lohnen würde. Um 17 Uhr war an „fertig“ allerdings noch lange nicht zu denken. Das zweite Floß war zudem deutlich instabiler als das erste. Der Instructor begutachtete es eine ganze Weile kritisch, da die beiden Segmentteile nicht besonders fest miteinander verbunden waren. Schließlich gab er aber doch grünes Licht und wir konnten noch den Aufbau für das Zeltdach montieren. Die Kinder hatten am Vormittag noch fleißig mitgeholfen, am Nachmittag ließ die Motivation dann allerdings deutlich nach. Stattdessen wurde wieder begeistert mit dem Bollerwagen gespielt. Nur Anika und Konrad hielten tapfer durch: Sie standen im Wasser und halfen dabei, die Baumstämme mit Seilen miteinander zu verbinden. Als die Flöße schließlich fast fertig waren, kam natürlich auch noch ein Regenschauer. Also hieß es erst einmal, sämtliches Gepäck unter einen kleinen Unterstand zu schleppen. Nachdem die Husche vorüber war, wurde alles auf die Flöße geladen und um 18:30 Uhr ging es dann tatsächlich los – hinaus auf den Klarälven! Dort lernten wir Strömung, Kehrwasser und Sandbänke direkt aus nächster Nähe kennen. Immerhin hatten wir vorher schon entsprechende Videos dazu gesehen. Jedes Floß war außerdem mit einem sogenannten „Pipi-Kanu“ ausgestattet: Wer mal musste, fuhr damit ans Ufer und holte anschließend das Floß wieder ein. Dazu gab es eine Stakstange zum Abstoßen und ein paar Hölzer, die als improvisierte Gangway dienten. Auf dem deutlich stabileren „Küchenfloß“ wurden dann dreifarbige Nudeln gekocht und Jana rieb eine ordentliche Menge Käse dazu. Dazu gab es verschiedene Gläser Pesto. Das "Kinderfloß" musste uns zunächst einmal einholen, anschließend bekamen auch die Kinder ihre Portion Nudeln herübergereicht. Danach fuhren wir wieder gemeinsam weiter und verbanden schließlich die beiden Flöße miteinander. Erst um 21:30 Uhr erreichten wir Knappnäs – inzwischen dämmerte es bereits leicht. Das Anlegen erwies sich als weitere kleine Herausforderung, denn durch den niedrigen Wasserstand ragten zahlreiche große Steine vor dem Ufer aus dem Wasser. Schließlich gelang es uns doch, die Flöße sicher festzumachen. Nun mussten noch die schweren Packsäcke ausgeladen und einen ordentlichen Hang hinaufgeschleppt werden. Oben auf der großen Wiese bauten wir unsere Zelte auf. Vor allem die Kleinste unserer Gruppe, die siebenjährige Clara, schlotterte inzwischen ordentlich vor Kälte. Anika und Antonia kümmerten sich um sie und Clara durfte noch eine Weile mit in unser Zelt, bis schließlich auch das große Zelt ihrer Familie stand. Danach wartete die kälteste Nacht der gesamten Reise auf uns – mit gerade einmal 4 Grad. Das wussten wir zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht. Und natürlich hatten wir für den Floßteil der Reise die kurzen Schlafanzüge eingepackt ... ahhh.